2016 03 31 Lehrerverbeamtung Dierks

Dresden, 12. April 2016. Sachsen ist spitze – vor allem in der Bildung! Wie bundesweite Leistungsvergleiche stetig beweisen, zählt unser Schulsystem seit Jahren zu den besten in Deutschland. Gute Bildung soll jungen Menschen im Freistaat selbstverständlich auch weiterhin den Grundstein für ein erfolgreiches Berufsleben legen. Momentan steht aber in Frage, ob dies so bleiben wird. Denn zur guten Bildung gehören vor allem gute Lehrer. Im Wettbewerb mit anderen Bundesländern haben wir momentan viel Potenzial – oder andersherum: große Probleme – junge Lehrertalente im Freistaat zu halten oder gar hierher zu locken.

Wie in vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes, befindet sich die Lehrerschaft in einem Prozess des Generationenwechsels. Der Markt an verfügbaren Lehrern ist daher faktisch leer. In den vergangenen Jahren wurden zu viele Lehramtsstudenten für Schularten oder in Fächerkombinationen ausgebildet, für die so kein großer Bedarf bestand. Dies hat zur Folge, dass viele Bewerber nicht eingestellt werden können oder die angebotene Stelle nicht annehmen möchten. Also verlassen die jungen Lehrer den Freistaat und wenn es erst so weit gekommen ist, ist es schwierig, sie wieder zurück zu holen.

Ein weiterer Grund ist das im Vergleich zu den anderen Bundesländern geringe Gehalt für Berufseinsteiger. Zwar steigert sich das Einkommen im Laufe der Dienstzeit, aber gerade zu Beginn – wenn die eigene Familien- und Karriereplanung beginnt – ist eine finanzielle Grundlage und eine verlässliche berufliche Perspektive wichtig. Andere Bundesländer haben das bereits verstanden und bieten jungen Lehrern höhere Einstiegsgehälter und berufliche Planungssicherheit durch längerfristige Arbeitsverträge.

Neben Finanz- und Karriereaspekten ist ein weiterer Faktor nicht außer Acht zu lassen: Wertschätzung! Unsere Lehrer haben die große gesellschaftliche Aufgabe, unsere Nachwuchsgenerationen zu bilden und auszubilden. Selbstverständlich legen die Eltern die Grundlage für die Erziehung und die Bildung ihrer Kinder, aber die Lehrer entwickeln diese weiter und sind eine zentrale Bezugspersonen für ihre Schüler. Die Achtung vor der Arbeit der Lehrerschaft gilt es stets im Auge zu behalten.

Als letzten Punkt ist uns wichtig zu zeigen, dass viele Lehrerressourcen aktuell im sozialpädagogischen Bereich gebunden sind. Wir müssen unsere Lehrer von fachfremden Aufgaben befreien und die Vermittlung von Wissen in den Mittelpunkt rücken. Daher muss die Schulsozialarbeit in der Fläche ankommen, um Lehrerinnen und Lehrer zu entlasten und den zunehmenden Problemlagen der Schüler Rechnung zu tragen. Ein Landesprogramm Schulsozialarbeit soll die sächsischen Kommunen bei dieser Aufgabe unterstützen.

Mit unserem Antrag „Sachsens Schulen fit für die Zukunft machen - Spitzenplatz in der Bildung verteidigen“ fordern wir auf, die genannten Punkte bei der Aufstellung des Doppelhaushaltes 2017/18 in den Fokus der Verhandlungen zu rücken. Wir müssen den Lehrerberuf im Freistaat wieder attraktiver gestalten. Die Verbeamtung der Lehrer darf dabei in Anbetracht des drängenden Bedarfs kein Tabu bleiben. Wir sind uns der Situation bewusst, dass der Freistaat damit einen Paradigmenwechsel vollziehen würde, aber die gegenwärtige Lage auf dem Arbeitsmarkt erfordert diesen Tabubruch.