2016 04 16 DSS Wir wollen Politik von Jugendlichen fuer Jugendliche

Leipzig, 16. April 2016. Zu keiner Zeit war ein Lebensweg in Europa so wenig vorherbestimmt wie in der heutigen. Junge Menschen haben unzählige Möglichkeiten ihre Freizeit, ihren Bildungsweg oder ihre Berufswahl selbst zu gestalten. Doch dieser Reichtum an Optionen und die stets wandelnden Anforderungen in der globalisierten Welt machen es ungleich schwerer, die eigene Identität und den eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. Die Weichen in der Kindheit und Jugend richtig zu stellen, wird immer bedeutender. Die Eigenständige Jugendpolitik ist hierbei ein Politikansatz, der eben diesen besonderen Lebensabschnitt ganzheitlich in den Blick nimmt und aus ihrem Randdasein der verschiedenen Ressorts heben will. Ihre Weiterentwicklung haben sich die CDU- und die SPD-Fraktion in Sachsen im gemeinsamen Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt.

 

Eigenständige Jugendpolitik mitgestalten!

Als Vertreter der jungen Generation innerhalb der Sächsischen Union obliegt es uns, an der Gestaltung der Jugendpolitik mitzuwirken und uns einzumischen. Mit der thematischen Ausrichtung unseres Landestags haben wir in einem ersten Schritt ein Forum geschaffen, in dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Vereinen und Jugendarbeit gemeinsam mit uns Erfahrungen und Standpunkte austauschen. Ganz bewusst steht zu Beginn unseres diesjährigen Landestages kein abgeschlossener Antrag, der zur Abstimmung steht, sondern ein Papier mit Leitgedanken und -fragen zur Eigenständigen Jugendpolitik. Wir wollen Ideen diskutieren, um aus den Impulsen und Diskussionsbeiträgen ein Positionspapier zu entwickeln und in den politischen Gestaltungsprozess einzubringen. Es geht darum, die Jugend als den entscheidenden Lebensabschnitt in der Entwicklung eines jeden zu betrachten und diesen mit den richtigen Rahmenbedingungen auszustatten, um eine gelingende Zukunft gestalten zu können. Eine umfassende und effektive Jugendpolitik beinhaltet dabei die Bereiche Jugendhilfe, (außer-) schulische Bildung sowie Jugendbeteiligung.

 

Perspektiven schaffen!

Die Jugendhilfe umfasst ein vielfältiges Spektrum an unterstützenden Maßnahmen für Kinder und Jugendliche sowie Eltern und Erziehungsberechtigte. Grundlegende Intention der Jugendhilfe ist neben dem Schutz der Heranwachsenden, die Schaffung optimaler und gerechter Startbedingungen für alle jungen Menschen in ein selbstbestimmtes Leben – unabhängig von ihrer Ausgangslage. Ziel der Jugendhilfe muss es sein, präventive Angebote zu schaffen und Selbsthilfepotenziale zu aktivieren. Vor dem Hintergrund des stetig steigenden Bedarfs an Maßnahmen der Jugendsozialarbeit ist aber zu hinterfragen, welche Ursachen dafür zugrunde liegen und wie die Gesellschaft und die Politik auf diese Entwicklung reagieren können und müssen. Dass wir es uns nicht leisten können, Talente zu verschenken und jeden jungen Menschen im Freistaat brauchen, zeigt nicht zuletzt der Blick auf die jährlich steigende Zahl nicht besetzter Ausbildungsplätze. Wer sich vor einigen Jahren noch ganz selbstverständlich nach einer Lehrstelle umgeschaut hat, zieht es heute vor, ein Studium zu beginnen – häufig ohne die Möglichkeiten einer Berufsausbildung zu kennen. Die Unternehmen sind stärker gefragt, um potentielle Azubis zu werben. Die zielgruppenspezifische Ansprache gelingt dabei in der Schule am besten. Eine engere Vernetzung von Schule und Wirtschaft beruht auf dem Verständnis von Schulbildung, dass diese nicht nur zur reinen Wissensvermittlung dient, sondern ferner zur Vorbereitung der Schüler auf ihre Zukunft gedacht ist.

 

Politische Bildung stärken

Doch nicht allein Berufsorientierung braucht mehr Raum an sächsischen Schulen. Nach den extremistischen Ausschreitungen aller Couleur der vergangenen Monate im Freistaat wird der Ruf nach politischer Bildung lauter. Und tatsächlich fristet die politische Bildung ein nebensächlich betrachtetes Dasein: Schulen gelten als politikfreier Raum. Nimmt Sachsen in den Bildungsvergleichsstudien in den MINT-Fächern stets Spitzenplätze ein, ist der Freistaat im Bereich der Gesellschaftswissenschaften in allen Schularten letzter unter den Bundesländern. Inwieweit ein Aufwuchs politischer Bildung hinsichtlich der Polarisierung der Gesellschaft, dem Extremismus und der Verrohung des Umgangs, insbesondere in den sozialen Medien, abhelfen kann, muss sich zeigen. Zumindest sollte jede Chance ergriffen werden.

 

Effektive Jugendbeteiligung einrichten!

Die praktische Anwendung politischer Bildung für Jugendliche wird mit der angestrebten Veränderung der Sächsischen Gemeindeordnung erleichtert: Ziel ist es, die „Kann“-Bestimmung über die Einrichtung eines Gremiums zur Jugendbeteiligung durch eine „Soll“-Bestimmung zu ersetzen. Mit der Etablierung von Jugendbeteiligung können Demokratie und Politik erlebbar gemacht werden. Jugendliche sind Experten ihrer Bedürfnisse und ihre Beteiligung an Entscheidungsprozessen ein wichtiger Eckpfeiler der Jugend als selbstbestimmter Lebensabschnitt. Durch eine effektive und praxisnahe Jugendbeteiligung können junge Menschen ihr Umfeld mitgestalten und so Verantwortung übernehmen. Die Formen von Jugendbeteiligung erscheinen jedoch grenzenlos. Auf dem Weg zu Beteiligung ist die junge Generation zunächst aufgerufen, die Jugendbeteiligung aktiv mitzugestalten. Eigenständige Jugendpolitik bedeutet für uns in jedem Fall eines: Politik von Jugendlichen für Jugendliche!