ACHTUNG, jetzt wird's unangenehm!

2016 06 15 DSS Trolle

Dresden, 13. Juni 2016. Wer soziale Medien rein privat nutzt, braucht nicht weiterzulesen. Der selektierte Freundeskreis und die Algorithmen sorgen dafür, dass man in der eigenen Blase nicht durch andere Meinungen gestört wird. Das gilt natürlich nicht für Mitglieder der Jungen Union. In freien Gesellschaften hält es ein politisch denkender Mensch nicht lange aus, seinen Gestaltungsanspruch ruhen zu lassen.

Versteht man Facebook und Twitter als Schlachtfelder moderner Kommunikation, vertritt seine Meinung oder nimmt den politischen Gegner aufs Korn, gerät man schnell in hitzige Debatten. Was einem als JU- oder CDU-Politiker droht, kann man exemplarisch auf Sebastian Fischers Homepage im Trollfriedhof sehen.

Demokratie lebt vom Austausch und Widerstreit der Meinungen. Dies geschieht im Internet nach eigenen Regeln. Zwei davon sind mir besonders wichtig.

Füttert den Troll, bis er kotzt!

Kommunikation in sozialen Medien ist rauer, schneller und verändert sich ständig. Früher galt der Satz, dass man Trolle nicht füttern solle. Man verschwendet seine Zeit, es gehe nicht um Argumente. Das stimmt. Dennoch lohnt es sich, die Bühne zu nutzen. Es ist wie bei einer Plenardebatte. Beide Seiten kennen die Argumente zur Genüge und streiten öffentlich im Sinne der Transparenz. Die Mitleser bewerten die Argumente bilden sich ihre Meinung. Es gilt, die schweigende Mehrheit für sich zu gewinnen. Ergo: Nutzt die Trolle für eure Zwecke!"

Wer stets als "Volksverräter", "CDUrensohn" oder schlicht "Arschloch" betitelt wird, neigt dazu, es mit gleicher Münze heimzahlen zu wollen. Auch wenn es schwerfällt; nichts ärgert den Kontrahenten mehr als Freundlichkeit. Auch Rückfragen können hilfreich sein und den Flow stören.

Diese Dialoge sind unangenehm und anstrengend. Und trotzdem lohnen sie sich! Mehrfach konnte ich erleben, wie in von „besorgten Bürgern“ dominierten Gruppen die Stimmung kippte: Anfangs traute sich die schweigende Mehrheit nicht den Verschwörungstheorien oder dem Hass Einzelner zu widersprechen. Doch am Ende gaben die Trolle auf.

Natürlich muss man nicht jedes Duell an- und nicht jeden Gesprächspartner ernst nehmen. Das Bauchgefühl kann hier sehr zuverlässig weiterhelfen. Und wenn es mal langweilig werden sollte, dann kann eine Anfrage beim politischen Mitbewerber nie schaden. Das bindet Ressourcen. Macht der Wettbewerber einen Fehler, ist uns der Traffic gewiss. Antwortet er, war es schlicht sein Job, wofür er keinen Applaus erwarten kann.

2016 06 13 Trollfriedhof

Kämpft um die Deutungshoheit!

Es gibt Zielgruppen, die sich durch Totholzmedien nicht erreichen lassen. Wenn wir glauben, die besseren Ideen für die Zukunft unseres Landes zu haben, müssen wir sie auch aktiv kommunizieren. Authentizität ist das Schlagwort! Jeder, der mit seinem Gesicht Farbe bekennt, wirkt überzeugender als 100 gedruckte Flyer. Ein "Like" auf Facebook erzeugt mehr Reichweite als ein verteilter Kugelschreiber.

Mit der Zeit weiß man, auf welche Reflexe der politische Gegner anspringt. Und spätestens dann macht es Spaß!

 

 

Der Autor

2016 06 15 Christian Bluemel

Christian Blümel ist Mitarbeiter im Büro von Sebastian Fischer MdL und Junior Vizepräsident bei CompuGlobalHyperMegaNet