2016 12 18 Heimat DSS

Leipzig, 18. Dezember 2016. Heimat hat Konjunktur. Doch was ist das, Heimat? Wir haben uns umgehört und gefragt: Was fällt dir ein, wenn du über Heimat nachdenkst? Hier die Antworten.

Gesammelt von Urban Comploj


 

Heimat heute?

Ein Beitrag von Dr. Joachim Klose

Als Exportland profitiert Deutschland wie kaum ein anderes Land von der Globalisierung. Deutschland ist die Lokomotive Europas. Globalisierungs- und Modernisierungsprozesse sind zwar Wege zum Erfolg, sie führen aber gleichzeitig zur Rückbesinnung auf Wurzeln und Identität. Mit dem Tempo, mit dem sich die Lebensverhältnisse und regionalen Bezüge ändern, verfremden sich die Herkunftswelten.

Die Wissensbeschleunigung erzeugt zusätzlich das Gefühl, dass nicht mehr das überzeitlich Gültige normativ ist, sondern die Veränderlichkeit an sich. Und aufgrund des Informationsaustausches lösen Ereignisse, die früher lokal begrenzt waren, nun global Panik aus. Wenn sich die Welt rasant entwickelt, fühlen sich Bürger verunsichert und erzeugen den Wusch, inne zu halten.

Die Problematik verschärft sich vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Während die Zahl der über 80-Jährigen stark ansteigt, schrumpft die Zahl der unter 25-Jährigen. Die Bevölkerung im ländlichen Raum nimmt ab und steigt in den Großstädten. Und da sich mehr Frauen als Männer auf den Weg machen, bildet sich auf dem Land ein bleibender Männerüberhang. Wenn die nachfolgende Generation die Region verlässt, stellen sich die zurückgebliebenen Älteren die Frage nach dem Sinn ihrer Lebensleistung.

Allgemein bezeichnet Heimat ja die Bilder und Mythen, mit denen man groß geworden ist, den Ort der Herkunft, in den man hineingeboren wurde und der einem vorgegeben ist, was in Sprache, Riten und Verhaltensmustern zum Ausdruck kommt. Zugleich ist Heimat aber auch der Ort der Vertrautheit und Sicherheit, den man versteht und wo man sich verstanden fühlt. Das Heimatempfinden vermittelt einem das Gefühl von Geborgenheit und Annahme. Ein positiver Heimatbegriff ist Voraussetzung für Stabilität, Ordnung und Orientierung im Erleben und Handeln.

In den Vorläufern des Heimatbegriffes, dem mittelhochdeutschen "heimout(e)" und althochdeutschen "heimuoti" bzw. "heimoti" steckt etymologisch die indogermanische Wurzel "kei" mit ihrer Bedeutung "liegen", "Ort an dem man sich niederlässt". So enthält der Heimatbegriff in semantischer Hinsicht Tönungen von Sicherheit und Ruhe. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts besaß er dann eher eine rein wirtschaftliche Bedeutung, was in Begriffe wie "Heimatrecht" und "Heimatbesitz" zum Ausdruck kam.

Wenn gegenwärtig in politischen Diskussionen der Heimatbegriff nur als Projektionsfläche von Sehnsüchten betrachtet wird, würde man dem Bedürfnis nach Orientierung und Sicherheit nicht gerecht. Heimat ist nicht eine Region, die man aufsuchen kann, sondern unser von innen heraus entworfenes Verhältnis zur Welt. Sie bedarf der aktiven Aneignung, des sich "Heimischmachens". So ist sie nicht nur Umgebung, an die man sich anpasst, sondern etwas, das es erst zu schaffen gilt. Heimat widerfährt einem, sie bildet sich unbemerkt und wird durch Wirklichkeiten konstituiert, in denen man sich befindet. So wird einem das, was Heimat ist, erst im Erleben von Nicht-Heimat und in der Begegnung mit dem Fremden bewusst.

Psychologische Studien zeigen, dass Heimat für jeden positiv bestimmt ist. So ist das Bedürfnis nach Heimat generationsübergreifend und unabhängig von der sozialen Schichtung. Da aufgrund seiner existentiellen Dimension der Heimatbegriff immer wieder missbraucht wird, darf er nicht Schwärmern und Ideologen überlassen bleiben.

 

2016 12 18 Joachim Klose 

Dr. Joachim Klose ist seit 2007 Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. für den Freistaat Sachsen und Lehrbeauftragter an der TU Dresden. Arbeitsgebiete: Naturphilosophie, Ethik in den Wissenschaften, Politikberatung, Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit.

 


 

Naturschutz

2016 12 18 Naturschutz

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung ab 1850 waren weithin Veränderungen im Zustand und Erscheinungsbild unserer Kulturlandschaft verbunden, die als Heimat verstanden wurde. Als Folge davon entfaltete sich, besonders am Beginn des 20. Jahrhunderts, eine breite Bewegung zum Erhalt früherer Landschaftsbilder sowie des Artenreichtums. Insofern waren von Anfang an Heimat- und Naturschutzgedanken aufs Engste verbunden. Obwohl durchaus zivilisationskritisch, war der Heimatbegriff zunächst noch frei von ideologischem, geopolitischem oder gar rassistischem Missbrauch.

Solange heute Heimat wieder als Symbolbegriff für gelungene Lebensverhältnisse durch Bindung an die eigene Herkunft und sorgsamen Umgang mit Natur und kultureller Tradition verstanden wird, bleibt die Bewahrung biologischen Reichtums mithilfe des Naturschutzes eine Kulturaufgabe. Kurz: Der Naturschutz- und Heimatgedanke verbindet sich in der Bewahrung und Gestaltung unserer Kulturlandschaft.

Prof. Dr. Karl Mannsfeld, Staatsminister a.D., Stv. Vorsitzender des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz

 

Integration

Heimat ist ein individueller und kein universeller Begriff. Heimat kann und darf kein falschverstandenes Nationalgefühl sein.

Der Heimatbegriff ist schwer lokal zu verorten. Heimat kann dort sein, wo die Familie ist, wo ein Freundeskreis ist. Heimat muss nicht zwangsläufig dort sein, wo man geboren worden ist, sondern dort, wo man ankommt, wo man sich wohl fühlt, wo man willkommen ist, wo sich der Lebensmittelpunkt befindet; dann kann sich Deutschland auch als neue Heimat für Flüchtlinge erweisen. Es kann ein Ort sein, an dem man sozial verankert ist, eine Arbeit hat und eine Familie gründen möchte. Wer jedoch Heimat als Ort definiert, der unveränderlich ist, weil das Gewohnte erhalten bleiben soll, der erschwert das Ankommen von Asylsuchenden und Flüchtlingen.

Juliane Pfeil-Zabel, Mitglied der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtags

 

Regionalität

2016 12 18 Regionalitat

Es spricht vieles für den Regionalgedanken: Klimaschutz durch kurze Wege, Erhalt einer bäuerlichen Kulturlandschaft mit hoher Artendichte, Sicherung von kleineren und mittleren Betrieben der Landwirtschaft und des Lebensmittelhandwerks, Wertschöpfung und Arbeitsplätze vor Ort und damit Bleibeperspektiven. Nicht zuletzt ist Regionalität die Grundlage einer lebendigen Stadt-Land-Beziehung.

All diese Zukunftsthemen kann man auch mit regionalen Produkten verbinden. Menschen können über regionale Produkte die Beziehung zu ihrem Umfeld, zum Bauern, zum Metzger, zum Bäcker und zu ihrem Wirtshaus verbessern. Heimat spiegelt sich in glaubwürdigen Produkten aus eben dieser Heimat.

Es muss das erklärte Ziel politischen Handelns sein, dass Regionalität neben den globalen Strukturen als gewichtiges Instrument wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Handelns einen attraktiven Rahmen für kleine und mittlere Unternehmen bekommt. Ein Anteil von 25 Prozent weltmarktunabhängiger "Wurzelbetriebe" wäre ein starker Stabilitätsfaktor.

Es braucht noch viel Information sowohl an den Verbraucher als auch an die Politik, dass dieses Erkennen der regionalen Chance den Einkaufszettel und die politischen Vorgaben bestimmt.

Heiner Sindel, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes der Regionalbewegung e.V.

 

Dialekt

Heimat ist für viele mehr als ein Ort, Heimat ist ein Gefühl. Als junger Mensch, der auf dem Land und im Dialekt aufgewachsen ist, ist für mich Teil dieses Gefühls die Sprache der Heimat, mein (bayrischer) Dialekt. Wenn manchmal auch nur im Kleinen, so schafft Dialekt nicht etwa Trennung, sondern Zusammenhalt, gibt Sicherheit und sprachliche Freiheit.

Ich bin beruflich häufig in Deutschland unterwegs und finde es toll, wenn Leute ihren Dialekte nicht verstecken, sondern zu ihrer Herkunft und ihrer Heimat stehen, ob das nun Sachsen oder NRW, Hamburg, Frankfurt oder München ist.

So mögen unsere Dialekte zwar unterschiedlich sein, so eint sie doch, was J.W. Goethe schon wusste: "Jede Provinz liebt ihren Dialekt, denn er ist doch eigentlich das Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft." – oder kurz "Dahoam".

Bernhard Brielmaier, Mitglied im Landesausschuss der JU Bayern

 

Minerale

2016 12 18 Minerale

Haben Minerale eine Heimat? Hat die Heimat Minerale? Beide Fragen können eindeutig mit ja beantwortet werden. Legt man Mineralen statt der typischen kristallchemischen Systematik eine regionale Ordnung zu Grunde, wird ihre identitätsstiftende Wirkung sichtbar: Minerale können typisch für Regionen sein. Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der Bergbaus wider, der eine wichtige Grundlage unseres heutigen Wohlstands darstellt – und der übrigens maßgeblich von "Fremden" geprägt wurde.

Viele Minerale sind darüber hinaus nach den Ortschaften benannt, in denen sie entdeckt und erstmals beschrieben worden sind: Annabergit – ein Nickel-Arsenat –, Clausthalit – ein Blei-Selenid –, Freibergit – ein silberhaltiges Sulfid –, Lüneburgit – ein Borat –, Zinnwaldit – ein Lithium-haltiges Alumosilicat.

Prof. Dr. Gerhard Heide, Universitätsprofessor für Allgemeine und Angewandte Mineralogie, Direktor der Geowissenschaftlichen Sammlungen, TU Bergakademie Freiberg

 

Individuum

Heimat. Freundlich kommt das Wort daher, es klingt zeitlos und schlicht wie "Apfel", "Tisch" oder "Nachtigall". Aber das täuscht. Denn "Heimat" meint nichts Reales, auf das sich zeigen ließe. Es meint ein kompliziertes Gefühl der Zugehörigkeit zum Vergänglichen. Der Lindenbaum vor dem Elternhaus ist, was er ist. Bis man ihn fällt und er plötzlich als Bild erscheint. Orte und Landschaften, Stimmen und Gerüche, Jahreszeiten und Gewohnheiten sind, was sie sind. Bis sie in der Vergangenheit versinken und die Welt der Kindheit zur Kulisse der Erinnerung wird.

Wie die Dinge und Vorstellungen, auf die es sich bezieht, ist das Gefühl selbst flüchtig, vielfältig und widersprüchlich. Und es ist zutiefst subjektiv. Darum lässt es sich auch nicht durch ein Wort erfassen. Nur schlichte Gattungen wie Parteiprogramme, Poesiealbumsprüche und Schlagertexte beschwören "die" Heimat. Wer wirklich etwas über Heimatgefühle erfahren will, der muss geduldig zuhören. Immer wieder aufs Neue, sich selbst und jedem anderen.

Per Leo, Schriftsteller und Historiker

 

Erinnerung

2016 12 18 Erinnerungen

"Ein Ort, an dem Kulturdenkmale verfallen, ist wie ein Mensch, der sein Gedächtnis verliert." Anne-Sophie Mutter, die begnadete Geigenvirtuosin, hat darauf hingewiesen, dass es entscheidend ist, wie wir mit unserem kulturellen Erbe umgehen, das uns von Klein auf prägt. Das, was uns umgibt, gehört zu dem so schwer definierbaren Begriff "Heimat". "Heimat ist der Ort, an dem unsere Wurzeln liegen" hat Prof. Georg Milbradt einmal formuliert und dabei den "Ort" im umfassenden Sinn gemeint. Das "Gedächtnis" der Menschen zu bewahren, ist ein Anliegen in dem Bewusstsein, dass es keine Zukunft ohne Herkunft gibt. Die kulturellen Werte der Heimat rüsten uns für den Gang in die Welt aus und vermögen uns zu den Quellen zurückzuführen.

Dr. Gerhart Pasch, Architekt, Mitglied des Ortskuratoriums Leipzig (Deutsche Stiftung Denkmalschutz)

 

Glaube

2016 12 18 Glaube

Wenn ich privat oder beruflich unterwegs bin, stelle ich sonntags den Wecker. Schlafen kann ich auch nachmittags. Häufig google ich vorher danach, in welche Kirche ich gehe: manchmal die größte, manchmal die um die Ecke. Auf jeden Fall immer Landessprache, nicht zwingend Deutsch. So erlebe ich Südtiroler Volksfrömmigkeit, Pariser Trägheit, amerikanische Jugendlichkeit.

Und egal wie fremd mir das Land ist: im Glauben (in Gemeinschaft!) finde ich ein Stück Zuhause. Heimat ist weder Ort noch Gefühl. Heimat ist das Fundament, das mich mit anderen Menschen verbindet. Nicht nur ist das Vaterunser wortgleich; es wird der gleiche Gott gelobt.

Wer weiß: Vielleicht ist die Sehnsucht nach Heimat in der Ferne wiederum ein Fundament, auf dem Christen mit den Gläubigen anderer Religionen bauen können?

Markus Walther, Rechtsanwalt aus Leipzig

 


 

2016 12 18 Matthias Neidhardt

Für mich ist Heimat die Summe der Freundschaften, der Erlebnisse und Erinnerungen, die vor der Haustür stattfinden. Haustüren, die mich immer wieder magisch anziehen. Zum einen ist dies die vogtländische Haustür, in der im Elternhaus und Garten vieles wie früher ist. Hier kommen zahlreiche Kindheitserlebnisse aus den Tiefen der Erinnerungen hoch. Hier setzen sich Sehnsuchtsorte der guten alten Zeit im Kopf fest. Und da ist zum anderen die neue Dresdener Haustür. Die, hinter der ich seit über 12 Jahren liebe, lebe und arbeite. Da sind es die kleinen Dinge, bei denen das Herz im Heimattakt schlägt. Ein "Nu" des Kollegen. Ein Gespräch im Biergarten mit Freunden. Ein Sonnenuntergang am Elbufer.

Ist Heimat dort, wo man aufgewachsen ist? Oder ist Heimat dort, wo man seit Jahren lebt, Freundschaften aufgebaut hat, beruflich Fuß gefasst hat und sich mittlerweile auch ohne Stadtplan ganz gut auskennt? Heimat bedeutet für mich, angekommen zu sein und akzeptiert zu werden. Physisch und mental.

Matthias Neidhardt (32), ist selbstständiger Webentwickler und Betreiber des Wander- und Reiseblogs "Sachsen-erkunden.de"

 

2016 12 18 Sebastian Schmidt 

"Sieht nach Regen aus…", murmelte meine Großmutter, als sie zum Himmel blickte. Sie rollt immer so schön das "R". Das erinnert mich an ihre sudetendeutsche Heimat, die sie damals als junges Mädchen auf ewig verloren hatte. "Regen? Endlich!", dachte ich. Meine Großmutter und ich durchstreifen Sommer für Sommer den nahegelegenen, tiefen Wald – Heimat für uns beide, auch für sie – auf der Suche nach Pilzen. Für mich sind die Pilze Nebensache. Vielmehr fasziniert mich das beruhigende Zusammenspiel aus dem murmelnden Bach, der im Wind rauschenden Bäume und der singenden Vögel. Hier wird der Mythos vom Deutschen Wald als Kraft- und Ruhequell‘ greifbar. Als es zu regnen begann, suchten wir schnellen Schrittes Schutz unter einem Holzunterstand nahe einer alten Eiche. Die Regentropfen tanzten herrlich auf dem vom tiefgrünen Moos übersäten Waldboden. Der Regen schwoll ab. Absolute Stille. Jetzt erhellten Sonnenstrahlen die feuchten Baumwipfel, wunderschöne Farben drangen hervor. Ohne ein Wort zu sagen spazierten wir, den Korb voller Steinpilze, glücklich zurück. Der Deutsche Wald – spendet Energie, verbindet Generationen, schafft Heimat.

Sebastian Schmidt (26), promoviert aktuell zum Thema Heimat

 

2016 12 18 Anna Kaleri

Neulich bin ich mit meinem Sohn auf Burg Kriebstein durch Räume gewandelt, die über 600 Jahre bewohnt, vielfach überbaut und den Erfordernissen der Zeit angepasst wurden und doch ein in sich stimmiges Bauwerk darstellen. Danach ging’s mit dem Fahrgastschiff auf das blinkende Wasser der angestauten Zschopau. Um uns herum fast nur graue und weiße Haarschöpfe. Wie schade, dachte ich, denn an diesem reizvollen Ort könnten verschiedenste Menschen einen ganzen Tag verbringen. Ich bin in Sachsen-Anhalt aufgewachsen, aber in meiner zweiten Heimat lebe ich nun schon viel länger. Die Art und Weise der Menschen in Sachsen ist mir vertraut. Damit meine ich nicht nur die Sprachmelodie, sondern ein Grundvertrauen in die Mentalität. In den letzten Monaten erhielt dieses Vertrauen Risse und bis jetzt möchte ich nicht glauben, dass Menschen so viel Sorgen und Wut angestaut haben. An diesem Tag, auf dem Schiff, mit warmem Wind im Haar, ist davon nichts zu spüren, aber es gibt die Probleme und dafür keine einfachen oder gar schnellen Lösungen. Miteinander sprechen braucht Zeit. Als wir noch einmal an der Burg vorbeifahren, fällt mir auf, dass sie von einer Seite durch Wasser geschützt ist, von der anderen einen offenen Zugang besitzt. Das ist gut so.

Anna Kaleri (42), freie Autorin, Journalistin und Initiatorin von "Literatur statt Brandsätze"

 

2016 12 18 Sebastian Fischer 

Ich bin dankbar, dass das wunderbare Wort Heimat eine Renaissance erfährt. Der deutsche Heimatbegriff hat den Vorteil, interpretierbar zu sein. Dem Einen sei es der Geschmack von Brot und Wein, dem Anderen der Geruch von reifem Korn, wieder andere betonen Kunst, Geschichte und Sprache. Immer aber ist es ein Rückzugsraum, ein Schutzdach gegen die Stürme des Alltags.

Linke Aktivisten irren, wenn sie beim Heimatbegriff Ausschluss und Nationalismus vermuten. Heimatliebe und Patriotismus sind vielmehr das einigende Band einer Gesellschaft. Eine unverkrampfte Einstellung zu Heimat und Vaterland öffnet die Augen für andere Länder, schafft eine ruhige Akzeptanz für neue Eindrücke und Freundschaften.

Heimat ist für mich die Gegend, in der ich mich geborgen fühle und jederzeit zurückkommen kann. Hier bekam ich ein Wertegerüst vermittelt, das mich wie ein Kompass sicher durch unruhige Zeiten führt und für mich als sächsischen Landtagsabgeordneten eine wichtige Unterstützung darstellt.

Sebastian Fischer (34), Mitglied der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag

 

Heimat – für uns als Pfadfinderinnen und Pfadfinder ist dieser Begriff nur bedingt mit einem festen Ort verbunden, denn unsere Kothen und Jurten sind den Zelten nomadischer Völker nachempfunden. Als Teil einer weltweiten Gemeinschaft junger Menschen unterschiedlichster Nationalität, Hautfarbe und Religion fühlen wir uns, sei es bei Fahrten mit anderen Gruppen oder internationalen Lagern, fast überall auf der Welt ein Stück heimisch. Doch was macht Heimat eigentlich für uns aus? Heimat bedeutet, dass man sich geborgen fühlt und dass gleiche Werte wie Hilfsbereitschaft und Solidarität geteilt werden. Wir fühlen uns dort zu Hause, wo wir uns selbst frei entfalten, einbringen und gestalten können. Für uns ist auch klar, dass Heimat Veränderungen unterliegt und kein starres Gebilde darstellt, das geschützt werden muss. Diesem ständigen Wandel offen gegenüberzustehen und ihn auch als Bereicherung zu begreifen, ist Teil unseres Selbstverständnisses.

Kurzum: Für uns Pfadfinderinnen und Pfadfinder sind Schwarzzelte, ein Duft von Lagerfeuer, Gemeinschaft und Abenteuer Heimat.

Marc, Jule, Franzi und Paul – Landesleitung VCP Land Sachsen