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Dresden, 12. Dezember 2017. Hans-Jürgen Rosch im Gespräch mit Andreas Winiarski über Sachsens Kronjuwelen, einen Digitalbeirat für den Ministerpräsidenten und das konservative Kernversprechen der CDU.

Lieber Andreas, Dein beruflicher Werdegang begann in der Konzernwelt bei Schering und Axel Springer. Von dort aus hat es Dich in die Startup-Szene verschlagen. Kommunikationschef von Rocket Internet, Gründer einer Digitalberatung und nun Partner bei dem Venture Capital Fond Earlybird. Was genau führt Dich jetzt nach Sachsen?

Ich bin Preuße durch und durch. Aber ich gestehe: ich liebe Sachsens Glanz – und das schon immer. Während meiner Rocket-Zeit hatte ich sogar ein Büro am Dresdner Neumarkt. Dies war aber nicht nur meiner Liebe zu Dresden geschuldet, sondern auch der starken Grundlagenforschung und rasch wachsenden Startup-Szene im Freistaat; der ideale Nährboden für gute Neugründungen. Ich glaube, dass Sachsen die Chance hat, massiv von der Digitalisierung der Industrie zu profitieren, auch und gerade aufgrund der geographischen Nähe zu Berlin und damit zu Europas größtem Startup-Hub.

Wir stehen hier auf dem Deutschlandtag der Jungen Union am Stand der Telekom. Der Telekom-Lehrstuhl an der TU Dresden erforscht das taktile Internet – also die Datenübertragung in Echtzeit. So hintan scheint Sachsen wirklich nicht zu sein. Was läuft bei der Digitalisierung aus Deiner Sicht gut in Sachsen und was muss noch verbessert werden?

Die Sachsen gelten als clever – und das sind sie auch. Geschäftstüchtig noch dazu, und dank einer phänomenalen Aufbauleistung nach der Wende mit bester Ausstattung in fast allen Politikfeldern. Besser kann man doch gar nicht ins digitale Zeitalter starten. Die starken Hochschulen sind ein wichtiger Garant, dass Sachsen auch in Zukunft ganz vorne mitspielen kann. Das 5G Lab an der TU Dresden ist das derzeitige Kronjuwel. Es muss aber gelingen, dass wir nicht nur weltweit für die hier getätigten Forschungserfolge beneidet werden, sondern auch starke neue Geschäftsmodelle und Unternehmen mit vielen neuen Arbeitsplätzen entwickeln.

Das bleibt eine Daueraufgabe, denn Sachsens Dauererfolg birgt auch eine große Gefahr: Die digitale Zukunft wird vor allem von jungen Menschen gestaltet, und die haben es in Sachsen noch sehr schwer. Das Establishment bleibt zu sehr unter sich und zeigt die typischen Verharrungskräfte der Erfolgreichen, die in erster Linie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Michael Kretschmer als neuer, junger Ministerpräsident wird hier hoffentlich den Weg seines Vorgängers Stanislaw Tillich fortsetzen und starke digitale Impulse setzen. 

JU und MIT in Sachsen haben einen Antrag an den Landesparteitag zur Gründung eines „Digitalbeirates“ für den Freistaat unter Leitung des Ministerpräsidenten gestellt. Warum unterstützt Du diese Initiative?

Weil das Land im Digitalen frische Ideen braucht und die kommen nun mal meist von frischen Köpfen. Ideal wäre ein Gremium mit Leuten aus der Tech-Szene, die das Kabinett mehrheitlich nur aus dem Fernsehen kennen, also nicht zu den Gremien-Profis gehören. Und wenn dann mal ein Meeting in der Staatskanzlei spontan zu einem Walking im Freien umgewidmet wird, ist das kein Affront gegen das Protokoll, sondern ein spannender Aufbruch ins Ungewisse – wie im echten Leben außerhalb der Politik-Blase. Und klar, Beiräte kann man immer als Symbolpolitik abtun. Aber hier würde allein schon ganz anders geredet und gedacht werden. Ich habe das selbst als Mitglied im Beirat Junge Digitale Wirtschaft des BMWI erlebt. Und ich glaube, im Gegensatz zu Bundesminister Gabriel, würde ein Ministerpräsident Kretschmer diesen Termin auch regelmäßig wahrnehmen. 

Wer sind aus Deiner Sicht Persönlichkeiten der Digitalwirtschaft, mit denen die sächsische Politik zusammenarbeiten sollte?

Es müssen Köpfe sein, die erfolgreich in der Digital-Szene unterwegs sind und dabei nicht nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Die Digitalisierung ist eine immense Herausforderung, bei der wir Digitalen eine besondere Verantwortung haben, Brücken in der Gesellschaft zu bauen. Es müssen also Menschen sein, die etwas beizutragen haben und denen die Entwicklung Sachsens und seiner Bürger am Herzen liegen. Selbstverständlich sind das in erster Linie regionale Akteure.

Ich denke da beispielsweise an Dirk Röhrborn, der erfolgreicher Gründer ist und sich über den Bitkom politisch engagiert. 5G-Guru Gerhard Fettweis oder Eric Weber vom SpinLab Leipzig könnten ebenso Teil der Runde sein. Wichtig ist aber auch der Blick von außen. Erfolgreiche Startup-Gründer wie Denes Honus von Green City Solutions, die ihren Hauptsitz aus nachvollziehbaren Gründen inzwischen in Berlin haben, oder Manuel Gerres, Chef von Deutsche Bahn Digital Ventures und gebürtiger Dresdner, wären ein großer Gewinn. Und die, die in einigen Jahren am wichtigsten sein werden, kann ich jetzt noch gar nicht mit Namen nennen, weil sie noch an der Uni studieren oder den Weg in die Selbständigkeit noch nicht gewagt haben. Aber bei der Zukunft ist es wie mit dem Wasser: es sucht sich seinen Weg, immer und überall. Freuen wir uns darauf!

Die Digitalisierung ist für viele noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Was erwarten die Menschen deiner Meinung nach von unserer Partei?

Die Digitalisierung ist längst im Leben von Menschen aller Altersgruppen und Schichten angekommen. Ein Leben ohne Internet – unvorstellbar! Trotzdem bestehen viele diffuse, teils aber auch sehr konkrete Ängste vor dem Digitalen. Umso besser, dass wir die Partei sind, die schon immer dem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt den Weg bereitet hat, dabei aber nie das konservative Kernversprechen vergessen hat: Neues gestalten sowie das gute Bestehende bewahren. Konservativ im besten Sinne zu sein – das ist in Sachen Digitalisierung genau das, was sich die Menschen am meisten wünschen. Also gut, dass es die CDU gibt.

 

Das Interview stammt aus der aktuellen Ausgabe unseres Mitgliedermagazins. Die aktuelle Ausgabe findet ihr HIER.